Nachricht aus Grimmelshausen
Work detail
In “Nachricht aus Grimmelshausen” (1984) erkundet Gerlach ein völlig neues Refugium. Er unternimmt Ausflüge in die Antike, die angesichts der zunehmend restriktiven Atmosphäre im DDR-Kulturbetrieb Rückzügen glichen. Ähnlich wie Peter Hacks versteckte Gerlach seine scharfe Kontraposition hinter Mythen. Mit Meditationen über Midas, Phoenix, Leda, Bacchus, Baal oder Arion wagte er trotzig Idealprojektionen. Mitunter begab er sich aus dieser schützenden Hülse heraus und ließ das lyrische Ich unumwunden von wachsenden Beklemmungen reden, etwa in “Alp”: “Bilder, bedrängend, einer / mißratenen Wirklichkeit Abglanz, / in Signalfarben ausgemalt, ohne / Schlußfirnis, rissig, feilgeboten / auf Märkten, wo niemand kauft.” Wachen Auges beobachtete er auch den Niedergang der Bausubstanz, den er unumwunden als Synonym für das desolate sozialistische Wirtschaftssystem interpretierte: “In Schuhn, halbschnürig, der Verfall / schlurft, Putzblasen öffnend, / von Haus zu Haus, stirbt blind / in Müll, greift in ein Lumpenknäuel, / schiebt einen Grotzen in die Gumpe.” (“Abriß”)
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Harald Gerlach
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