Harald Gerlach
Harald Gerlach
Im Januar 1961 verließ Gerlach über Westberlin illegal die DDR und begann eine abenteuerliche Reise, die ihn, meist zu Fuß, über Hannover, Nürnberg, München und im Februar, auf den Spuren Goethes, über die Alpen bis Norditalien führte, dann westwärts am Ufer des Mittelmeeres weiter bis nach Cannes und Nizza. Von dort lief und trampte er zurück durch die französischen Alpen bis ins heimatliche Grabfeld. Nachdem er im Grenzgebiet nahe Römhild aufgegriffen wurde, kam er in Untersuchungshaft. Zur Bewährung mußte er in einem Steinbruch arbeiten. Danach wurde er Totengräber auf dem Erfurter Friedhof. Anfang der siebziger Jahre begann er als Hofarbeiter am Theater Erfurt, wurde später Bühnenarbeiter und absolvierte schließlich ein Bühnenmeisterstudium. Seine eigentliche Profession sah Gerlach jedoch zunehmend im Schreiben. Neben Texten fürs Kabarett und Gedichten entstanden Erzählungen, die 1978 unter dem Titel »Vermutungen um einen Landstreicher« im Aufbau-Verlag erschienen. In seinem ersten umfangreichen Prosawerk »Das Graupenhaus« (1976) verarbeitete er Geschichten des Römhilder Waisenhauses. Es folgten nahezu zwanzig weitere Romane, Novellen und Lyrikbände, darüber hinaus etliche Bühnenwerke, von denen mehrere ihre Uraufführung in Erfurt erlebten. 1988 wurde Gerlach eine vierwöchige Lesereise durch die Bundesrepublik genehmigt. Eine drohende Erblindung konnte in der DDR nicht behandelt werden, aber dank des umfassenden Einsatzes der Schriftstellerin Christa Wolf wurde im Sommer 1989 gerade noch rechtzeitig eine Augenoperation in Westberlin möglich. Nach der Wende lebte Gerlach mit seiner Frau und drei Kindern ein Jahr lang im Atelierhaus Worpswede in Niedersachsen. Kurz danach zogen sie von Thüringen ins nordbadische Leimen, in ein Winzerhaus am südlichen Ende der Bergstraße. Seinen engen Bezug zu Thüringen hat Harald Gerlach jedoch nie verloren. In den folgenden Jahren wird Gerlachs poetisches Werk vor allem durch seine Reisen geprägt, auf denen er sich intensiv mit europäischen Kultur- und Kunsttraditionen beschäftigt. Studienaufenthalte führen ihn nach Erfurt, Schreyahn/Niedersachsen, Marbach am Neckar und Birmingham. Eine äußerst produktive Zeit beginnt: Die Romane »Rottmanns Bilder« und »Windstimmen« sowie zahlreiche Essays entstehen, 1998 veröffentlicht er mit »Nirgends und zu keiner Stunde« einen weiteren Gedichtband. Er produziert zwei Literatur-CD-ROMs zu Heinrich Heine und Johann Wolfgang von Goethe. Allein für den Rundfunk verfasst Harald Gerlach in den neunziger Jahren über achtzig Sendungen, in deren Zentrum Hölderlin, Seghers, Lenau, Themen der bildenden Kunst und Kulturgeschichte stehen. Erneut wandert er auf den Spuren des jungen Goethe; diesmal von Straßburg nach Saarbrücken. Für jugendliche Leser schreibt er eine Lebensgeschichte Friedrich Schillers. Zunehmend erfährt der Dichter ein über deutsche Grenzen hinausreichendes Interesse. Einladungen als Writer in Residence an eine Universität in den USA oder als Ehrengast in die Villa Massimo in Rom kann Gerlach jedoch nicht mehr folgen. Wenige Wochen vor seinem Tod führt ihn eine letzte Reise, begleitet von Frau und Kindern, zum Gardasee, nach Venedig und schließlich nach Triest, dem Schauplatz seines nachgelassenen Romans »Blues Terrano«. Bis zuletzt ringt er um jedes geschriebene Wort. Im Juni 2001 stirbt Harald Gerlach mit einundsechzig Jahren an einem Gehirntumor. »Blues Terrano«, »Die völlig paradiesische Gegend. Auf Goethes Spuren zwischen Rhein, Saar und Mosel« sowie die Schiller-Biographie »Man liebt nur, was einen in Freyheit setzt« erscheinen posthum in den Jahren 2001 und 2004.
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Aber du der ich war
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So ist alles gesagt
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Gelassener Schritt am Rande des Abgrunds
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Man liebt nur, was einen in Freyheit setzt
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